Wozu nur ein Wort?

Willkommen, Surfer! Auf Nur ein Wort sammle ich deutsche Wörter und Worte, die mir begegnen, die ich schön und anregend finde, zu selten gehört habe oder die auszusterben drohen, Wörter, die klingen und Saiten zum Klingen bringen.
Was mir über den Weg läuft und bei dem ich denke "schönes Wort", das werde ich hier posten.Mitmachen ist möglich via Kommentieren, Sterne geben, Twittern, Teilen.

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Bis jetzt gesammelt: 73 Worte


fahl

Fahl ist blass, ausgeblichen und bleich. Farblos oder farbschwach und in dieser Hinsicht das Gegenteil von satt. Entsättigt. Fahl. Im schlimmsten Fall aschfahl. Gesichter können fahl sein. Pferde auch.

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brüsk

Unverschämt, unverschämt, unverschämt wie mich die Frau aus Sekretariat D, die Sekretärin gestern also behandelt hat! Behandelt. Wie einen dummen Schuljungen. Ich so: Können Sie dies für mich tun, und sie einfach: Nein, das mache ich nicht, ich also: Frau Hubba, ich brauche das aber und sie einfach, lauter werdend und nach mir schnappend, Nein, Nein! Das mache ich nicht. Ich meine, ich wollte nur ein paar Listen aus dem Archiv?
So stand ich da, brüskiert und verwirrt, allein mit der unendlichen Frage, wie es dazu kommen konnte – „MAL WIEDER“ – dass ich so ansatzlos in der Landschaft und wieso manche Menschen. Abschlägig beschieden sozusagen wieso? Ich trollte mich, äußerlich Fassung wahrend und innerlich Pläne schmiedend, zum Kaffeeautomaten, trank wandstarrend Kaffee und schrieb auf einen gelben Zettel, den Terminator zitierend: I’ll be back.

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Fährnisse

Yesss. Was man erfährt und was einem widerfährt, wenn man auf gefährliche Fahrt fährt: Fährnisse. Tote Fährmänner, einäugige Riesen, nackte Nixen, Ausländer, neue Helden, Innereien. Und natürlich überall Händler, fahrende und fliegende, sowie Fahrer, die dich bringen wollen, Fremder, zum Russian Market, zum Bogenmacher der Woche oder zum fiqui Fiqui. Und ja, ich rede hier vom Fährt.

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Haubitze

„Sohn vom Sohn vom Sohn vom Sohn“

Mauser, Mörser, Grenadier,
dicke Berta, Nullachtvier
Messerschmitt und Schienenwulf
Bajonett und toter Ulf,

filterlose Kippen rauchen, oder tauschen
Russen kommen,
Panzerspäh und Walter! schieß!
Im Lazarett von Donezk liegt

ein Glied,
ein Spiegelei auf Panzer,
Volle Pulle Prost du
Landser,

Tobruk, Tunis, Wüstenfucks
abgeschossen, keine Lust,
Bombensplitter Oberschenkel
Lazarett, Hör‘ zu mein Enkel:

leichte Mädchen, Batallione
43, Heeresgruppe
eingekesselt, Charkow, Schütze
dicke Frau we called Haubitze.

 

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Sohnemann

Verdammt. Noch nicht Mann, immer noch Sohn, aber schon mit großer Ambition. Das ist Sohnemann, der eben so vom Vater betitelt wird. Er reckt sich hoch und erreicht den königlichen Tisch – nicht ganz. Pfff, Ödipus. Lass dir nichts herabreichen. Kriech unter den Tisch zu ihren Füßen dort, mach Rauch dort, komm raus dort. Dass sie dich anders benennen. Irgendwie anders, Mann.

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bummeln

Den Sportbeutel in der Hand versonnen schwenken und dabei die eigenen Füße, die Blümchen oder den Dreck betrachten. Und ui – da liegt ja ein alter Bonbon. Ein Fahrrad überholt klingelnd. Das war Tina. Eine Pfütze zum Durchlatschen. Hoffentlich ist heute Fußballspielen in der Fünften. Und – die Dritte soll ja vertreten werden, weil Frau Meyer im Apitur ist. Wer steht denn da vorne? Ach, das ist Holger Hempl aus der B, stochert mit ’nem Stock irgendwas rum, dieser Bummelant.

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Anmut

Anmut – es ist nicht das Wort, was so glänzt, es ist das, was es bezeichnet. Es hat ja auch nichts mit Mut zu tun. Anmut ist Schönheit, die schwebt: zwischen oben und unten, zwischen den magnetischen Polen. Anmut ist frisch, einzig, unfestgelegt. Keine hektische Bewegung stresst, keine Langeweile döst, Anmut ist pures Sein, pures Ballett, einfach und schön. Ich kann mir keinen Mann vorstellen, der das hat, nur eine ätherische junge Frau, die ganz bei sich ist, die in sich wohnt, und ich bin fasziniert von ihrer gelassenen, selbstvergessenen Anmutung.

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mausen

„Mausen machen Mäuse, die Käse brauchen.“

Also: Mausen ist das einfache Nehmen von dem, was man eben benötigt, und das in bewusster Ignoranz der Tatsache, dass jemand seinen Namen draufgelötet hat. Mausen, könnte man meinen, ist Mundraub (und der wird ja nicht bestraft) oder ist zumindest eng mit diesem verwandt. Der Mausende, wie auch sein Freund, der Mopsende, sehen sich als zwei Anarchisten, die die Welt, wie wir sie kennen, zerstören könnten. Die nicht fragen, nicht um Almosen bitten, nicht kaufen, nicht tagelöhnern, die für sich selbst sorgen in der Not. Mausen kann insofern eine Einstellung sein oder zumindest die Ahnung einer Einstellung. Beim Mausen ist man sich selbst am nähesten. Und Jesus
meinte dazu:
„Seht die Mäuse unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht […] und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie?“

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unabdingbar

Das Adjektiv unabdingbar hat ein Bouquet, das möchte ich mir langsam auf der Zunge zergehen lassen. Kosten wir die Einzelaromen heraus:

  • un – nicht/Negation
  • ab – entfernen, reduzieren, beenden (wie in abschaffen, absagen, Absacker)
  • ding – Ding, Sache
  • bar – Fähigkeit/Möglichkeit zu sein

Insgesamt also: Die Entfernung (ab) der Sache (ding), um die es geht, ist nicht (un) möglich (bar). Unabdingbar heißt also unverzichtbar.

Die einzelnen, oben aufgeführten Wortteile sind dabei nicht unbedingt spektakulär, aber in der Komposition amüsant. Der Wortkern -ding- wirkt so erstaunlich unpräzise und leicht infantil, gleichzeitig wird aber versucht, mit davor und dahinter gepappten Prä- und Suffixen eine besondere Präzision in der Wortaussage zu erzielen, was nahezu unmöglich ist. Insofern: ein tatsächlich recht witziges Wort.

Manchmal klingt – aufgrund seiner Verwendung – in unabdingbar für mich ein gewisser Totalitätsanspruch mit und dadurch kriegt das Wort dann doch einen säuerlichen Beigeschmack. Es hat das Potenzial für ziemlichen Angeberei und ich verwende es selten. Trotzdem ist es beim Kauen knackig wie ein Cracker.

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Nische

Nische – kleine Stelle in der Wand, ich liebe dich. In dir baut sich ein Schwalbenpärchen ein Nest oder, wenn du größer bist, finden sich Menschen zum Stelldichein. Du, Nische, bietest Schutz und Schatten und bist hoffentlich noch nicht besetzt! Du darfst nicht zu groß werden, nicht zuviel Platz haben, du bist ja keine Bushaltestelle bei Regen. Man muss sich eben ein wenig reinquetschen können in dich. Du darfst auch nicht an den Kanten ausbrechen, sonst fällst du dem Hausmeister auf und sie kommen bald, um dich zu reparieren. Nische, du kleines wunderbares Wesen, du könntest der Vorname eines Mädchens sein.

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