Wozu nur ein Wort?

Willkommen, Surfer! Auf Nur ein Wort sammle ich deutsche Wörter und Worte, die mir begegnen, die ich schön und anregend finde, zu selten gehört habe oder die auszusterben drohen, Wörter, die klingen und Seiten zum Klingen bringen.
Was mir über den Weg läuft und bei dem ich denke "schönes Wort", das werde ich hier posten.Mitmachen ist möglich via Registrieren, Kommentieren, Sterne geben, Twittern, Teilen.

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Bis jetzt gesammelt: 57 Worte

Flegel

#57 | 18. Mai 2012 von Rafael

Artig – ach,
so tun sie nicht mal.
Zwischen 11 und 14
ziehen sie über die Höfe,
die Gegend besichtigend,
die Leute kommentierend.
Hier und da hinspucken;
laut und zu dreckig
lachend,
Vom Ausdruck her erinnern sie an einen Trupp
halbstarker Katzen
mit Körperfunktionen, aber
ohne zu grüßen -
nur rauchen und kratzen,
die Flegel.

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nissig

#56 | 17. Mai 2012 von Rafael

Nissig, bissig, angepissig.
Es schmeckt nach Brennissel, das Wort.

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huldigen

#55 | 11. Mai 2012 von Rafael

Was huldigen heißt? Betone ihre Vorzüge! Wenn du zu ihr trittst, erfasse ihre Hand und ziehe sie sanft. Bewege deinen Mund in Richtung der Hand und tue als ob einen Kuss. Gib aber keinen, denn dein Mund ist nicht wert, ihre göttliche Hand zu berühren. Überhaupt: Hebe ihren Wert in den Himmel, zeig’ dich respektvoll und nicht teuer genug, ihren Staub wegzuwedeln. Vergleiche dich mit einem Hund ohne Hemd, und sie mit einem russischen Schwan. Erzähl ihr von deinem Träumen und singe von ihrer Hochherzigkeit. Erwarte keinen Drink und erwarte kein Schmelzen. Erwarte nur, dass sie dir glaubt: Du bist ein Hündchen und sie, sie ist Diesen Beitrag weiterlesen »

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Archenhold

#54 | 7. Mai 2012 von Rafael

Was machen eigentlich … Archenhold? Nichts Gutes ist zu vermuten, wenn man die gestrige Ankündigung im Abendblatt liest:

Archenhold ist der Name. Und was für einer: Mit ihrem Debütalbum “Wir haben Mittel und Wege” eroberten Archenhold in den frühen Neunzigern weitgehend unbemerkt vom deutschen Publikum die Herzen japanischer Rockfans im Sturm. Zehn Jahre nach Nena stand erneut eine deutschsprachige Band in den Nippon-Charts ganz oben: Der brettharte Deutschrap des Ostrostockers Kevin “Kevlar” Wewel, unterstützt von der damals 18-jährigen Gitarristin Flo Pesslin und dem Berliner Schlagzeuger Monti Dö kam überraschend gut an bei den einheimischen Asiaten und Asiatinnen – trotz der teils umstrittenen Texte. Doch während Archenhold auf den Inseln gigantische Erfolge verbuchen konnten, wurden sie in Deutschland mit ihrem bahnbrechend modernen Progressive Crossrock, der spätere Bands wie H-Blocks oder Guano Apes maßgeblich beeinflusste, kaum wahrgenommen.
Wer die drei live sehen will: Heute Abend im Über und Unter stellen sie ihr aktuelles Album “Bleib stehen, Japaner!” vor. (20.00 Uhr, Abendkasse 35€)

War da jemand bei dem Konzert? Say it here

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kühn

#53 | 4. Mai 2012 von Rafael

Frau Kühn hatte kurzgeschorene Haare,
war meine Sportlehrerin und mitleidlos.
Wieland, der Schmied, hatte langgewachsene Zotteln,
war mein Held und kühn.
Kühn bedeutete für mich mutig zu sein
und mein Schwert zu ziehen.
Kühn bedeutete für Frau Kühn
der Felgaufschwung. So sagte sie.
Um uns Angst zu machen.
Ich konnte das nicht,
und auch Wieland der Schmied
half mir da nicht,
denn ich war zwölf, wie immer,
und nicht so. Die Mädchen
von Ihren doofen Bodenmatten
schauten zu uns Jungen herüber.
Frau Kühn pfiff sie zusammen. Weitermachen
nicht glotzen ihr.

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gleißnerisch

#52 | 2. Mai 2012 von Rafael

Das Wiewort “gleißnerisch” wurde von mir heute samt Erklärung einfach geschossen, mit ruhiger Hand und dem Fotoapparat, wie Freiwild genau im rechten Augenblick von einer der vielzähligen ungenannten Webseiten im Halbdunkel des Dschungels – abfotografiert. Ein fetter Bock!

 

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Kamarilla

#51 | 27. April 2012 von Rafael

Auszug aus dem Tagebuch von Leopold III: ” [...] ein steter Strom von Bittstellern schob sich mittlerweile tagtäglich durch den Palast. Gesandte, Fabrikanten und Schranzen wünschten von mir empfangen zu werden oder liefen mir wie zufällig im Schlosspark über den Weg. Selbsternannte Berater überreichten mir en passant Empfehlungsschreiben von z.B. Goethe (natürlich gefälscht) oder meinten, mich forsch in philosophische Diskurse verwickeln zu müssen. Des Nächtens standen dann und wann wenig bekleidete Bauerntöchter überraschend in meinem Schlafgemach, nach außen hin demütig und scheu. Diesen Beitrag weiterlesen »

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turbulent

#50 | 22. April 2012 von Rafael

Man stelle sich einen orientalischen Markt vor, 1899, vielleicht in Khafar oder Djamal, es ist voll, es ist heiß, es ist laut, Lebensmittel aller Couleur liegen aus. Menschen rempeln dich an, drücken dich an den Stand mit den Datteln und den Schälchen mit Safran, den Vanillestangen aus Reunion auf Dschunken und Kamelen hertransportiert, und plötzlich zieht jemand dir die Geldbörse weg. Ein Junge rennt davon in der Menge, du schreist und versuchst hinterherzukommen, aber erfolglos, du bleibst stecken in den Menschen und Stimmen, eine Frau spricht dich an, natürlich, sie hat keine Zähne im Mund, hält dir aber Äpfel hin. Du benutzt deine Arme, um den dir Weg zu bahnen, jemand pufft dich in die Seite, und soviel Geschrei und Lärm und Papageien, die dich auslachen.

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wohlfeil

#49 | 17. April 2012 von Rafael

Okay, das sagt heute wirklich keiner mehr – schade, bezeichnet es doch Produkte, die im sogenannten Sonderangebot (brrr: “Angebot”) sind, auf unaufgeregtere Art und Weise. Das Ding erhält eine zusätzliche Eigenschaft, es wird nicht gleich zu einem Objekt der Wohlfeilheit nominalisiert. Ja, die Würde des wohlfeilen Apfels ist nicht zu vergleichen mit dem traurigen Apfel im Angebot. Und wohlfeile Äpfel wären wohl auch nicht zu “feilen Äpfeln” geworden. Denn damals hatte man ja noch Zeit. Dazu wäre es nie gekommen.

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Räuberzivil

#48 | 5. April 2012 von Rafael

Räuberzivil, was war das noch mal? Ohne Schirm, Charme, Schlips und Melone bei Goldenen Hochzeiten erscheinen? Womöglich betrunken?

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