Wozu nur ein Wort?

Willkommen, Surfer! Auf Nur ein Wort sammle ich deutsche Wörter und Worte, die mir begegnen, die ich schön und anregend finde, zu selten gehört habe oder die auszusterben drohen, Wörter, die klingen und Saiten zum Klingen bringen.
Was mir über den Weg läuft und bei dem ich denke "schönes Wort", das werde ich hier posten.Mitmachen ist möglich via Kommentieren, Sterne geben, Twittern, Teilen.

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Bis jetzt gesammelt: 67 Worte


Anmut

Anmut – es ist nicht das Wort, was so glänzt, es ist das, was es bezeichnet. Es hat ja auch nichts mit Mut zu tun. Anmut ist Schönheit, die schwebt: zwischen oben und unten, zwischen den magnetischen Polen. Anmut ist frisch, einzig, unfestgelegt. Keine hektische Bewegung stresst, keine Langeweile döst, Anmut ist pures Sein, pures Ballett, einfach und schön. Ich kann mir keinen Mann vorstellen, der das hat, nur eine ätherische junge Frau, die ganz bei sich ist, die in sich wohnt, und ich bin fasziniert von ihrer gelassenen, selbstvergessenen Anmutung.

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mausen

„Mausen machen Mäuse, die Käse brauchen.“

Also: Mausen ist das einfache Nehmen von dem, was man eben benötigt, und das in bewusster Ignoranz der Tatsache, dass jemand seinen Namen draufgelötet hat. Mausen, könnte man meinen, ist Mundraub (und der wird ja nicht bestraft) oder ist zumindest eng mit diesem verwandt. Der Mausende, wie auch sein Freund, der Mopsende, sehen sich als zwei Anarchisten, die die Welt, wie wir sie kennen, zerstören könnten. Die nicht fragen, nicht um Almosen bitten, nicht kaufen, nicht tagelöhnern, die für sich selbst sorgen in der Not. Mausen kann insofern eine Einstellung sein oder zumindest die Ahnung einer Einstellung. Beim Mausen ist man sich selbst am nähesten. Und Jesus
meinte dazu:
„Seht die Mäuse unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht […] und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie?“

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unabdingbar

Das Adjektiv unabdingbar hat ein Bouquet, das möchte ich mir langsam auf der Zunge zergehen lassen. Kosten wir die Einzelaromen heraus:

  • un – nicht/Negation
  • ab – entfernen, reduzieren, beenden (wie in abschaffen, absagen, Absacker)
  • ding – Ding, Sache
  • bar – Fähigkeit/Möglichkeit zu sein

Insgesamt also: Die Entfernung (ab) der Sache (ding), um die es geht, ist nicht (un) möglich (bar). Unabdingbar heißt also unverzichtbar.

Die einzelnen, oben aufgeführten Wortteile sind dabei nicht unbedingt spektakulär, aber in der Komposition amüsant. Der Wortkern -ding- wirkt so erstaunlich unpräzise und leicht infantil, gleichzeitig wird aber versucht, mit davor und dahinter gepappten Prä- und Suffixen eine besondere Präzision in der Wortaussage zu erzielen, was nahezu unmöglich ist. Insofern: ein tatsächlich recht witziges Wort.

Manchmal klingt – aufgrund seiner Verwendung – in unabdingbar für mich ein gewisser Totalitätsanspruch mit und dadurch kriegt das Wort dann doch einen säuerlichen Beigeschmack. Es hat das Potenzial für ziemlichen Angeberei und ich verwende es selten. Trotzdem ist es beim Kauen knackig wie ein Cracker.

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Nische

Nische – kleine Stelle in der Wand, ich liebe dich. In dir baut sich ein Schwalbenpärchen ein Nest oder, wenn du größer bist, finden sich Menschen zum Stelldichein. Du, Nische, bietest Schutz und Schatten und bist hoffentlich noch nicht besetzt! Du darfst nicht zu groß werden, nicht zuviel Platz haben, du bist ja keine Bushaltestelle bei Regen. Man muss sich eben ein wenig reinquetschen können in dich. Du darfst auch nicht an den Kanten ausbrechen, sonst fällst du dem Hausmeister auf und sie kommen bald, um dich zu reparieren. Nische, du kleines wunderbares Wesen, du könntest der Vorname eines Mädchens sein.

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verdrossen

Ist verdrossen ein Synonym für frustriert? Auf jeden Fall ist jemand Verdrossenes zu, zugeschlossen, missmutig, beleidigt vielleicht. Bemerkenswert, wie das Wort “verdrossen” nach einer Mechanik klingt, die eingerostet ist, nach Eisen und Zahnrädern. Wie kommt das? Das Partizip II wirkt hier tendenziell wie ein Infinitiv, und was könnte ein Verb “verdrossen” als Infinitiv bedeuten? Ich verdrosse etwas. Klingt nach Schweißen, Verkabeln, Löten und Zusammenbauen. Nach Schlossertätigkeit. Nach dem verschlossenen Drosser.

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empört

Empören bzw. empört-sein stammt vom Adverb empor ab, dem Herauf in aufschwingen, aufsehen oder aufregen. Und mit dem Verlust des Wortes empor vergeht auch die Empörung, eine Tat, die sich klar wie ein Bogen hinspannt zum Gegenstand ihrer selbst und da wartet. Regt euch nicht auf. Steht und schaut.

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lindern

Lindern heißt Mindern. Man kann nichts Gutes lindern, lindern ist für Schmerzen vorbehalten, für Trauer und Angst. Es ist Pusten, Streicheln, Küssen der Wunde, es ist das Verringern des Bösen, es ist das Entspannen, Nachlassen das Drucks, der in die Tiefe des Körpers hin abnimmt. Es ist die Beruhigung, das In-den-Arm-Nehmen, das Spraypflaster, die Nelke. Das Gebet, die Träne, der Hund an deinem Bein schnüffelt. Der kühlende Stein, der immer da war, der Brunnen, die Eiche, die Linde.

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töricht

Es heißt: Man soll nicht richten über andere, soll nicht ständig bewerten, in Kategorien einteilen und damit alles und jeden, nun, digitalisieren, auf diskrete und eindeutige Seinswerte festlegen. Bereits ein Wort tue das schon, das etwas bezeichnet. Soweit der Zen-Aspekt. Kannst du aber nicht an dir halten zu sagen, wie blöd, dämlich oder idiotisch sich jemand benommen hat, sag lieber töricht, und es wird 2013 weniger beleidigend und verletzend sein.

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schmulen

Schmulen ist, wenn man schauen will, aber niemand sehen darf, dass man schaut. Wenn man die Decke, unter der das Geschenk verborgen ist, gerade so weit hebt, dass man eben noch knapp druntergucken kann.

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