Wozu nur ein Wort?

Willkommen, Surfer! Auf Nur ein Wort sammle ich deutsche Wörter und Worte, die mir begegnen, die ich schön und anregend finde, zu selten gehört habe oder die auszusterben drohen, Wörter, die klingen und Saiten zum Klingen bringen.
Was mir über den Weg läuft und bei dem ich denke "schönes Wort", das werde ich hier posten.Mitmachen ist möglich via Kommentieren, Sterne geben, Twittern, Teilen.

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Bis jetzt gesammelt: 73 Worte


verdrossen

Ist verdrossen ein Synonym für frustriert? Auf jeden Fall ist jemand Verdrossenes zu, zugeschlossen, missmutig, beleidigt vielleicht. Bemerkenswert, wie das Wort „verdrossen“ nach einer Mechanik klingt, die eingerostet ist, nach Eisen und Zahnrädern. Wie kommt das? Das Partizip II wirkt hier tendenziell wie ein Infinitiv, und was könnte ein Verb „verdrossen“ als Infinitiv bedeuten? Ich verdrosse etwas. Klingt nach Schweißen, Verkabeln, Löten und Zusammenbauen. Nach Schlossertätigkeit. Nach dem verschlossenen Drosser.

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empört

Empören bzw. empört-sein stammt vom Adverb empor ab, dem Herauf in aufschwingen, aufsehen oder aufregen. Und mit dem Verlust des Wortes empor vergeht auch die Empörung, eine Tat, die sich klar wie ein Bogen hinspannt zum Gegenstand ihrer selbst und da wartet. Regt euch nicht auf. Steht und schaut.

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lindern

Lindern heißt Mindern. Man kann nichts Gutes lindern, lindern ist für Schmerzen vorbehalten, für Trauer und Angst. Es ist Pusten, Streicheln, Küssen der Wunde, es ist das Verringern des Bösen, es ist das Entspannen, Nachlassen das Drucks, der in die Tiefe des Körpers hin abnimmt. Es ist die Beruhigung, das In-den-Arm-Nehmen, das Spraypflaster, die Nelke. Das Gebet, die Träne, der Hund an deinem Bein schnüffelt. Der kühlende Stein, der immer da war, der Brunnen, die Eiche, die Linde.

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töricht

Es heißt: Man soll nicht richten über andere, soll nicht ständig bewerten, in Kategorien einteilen und damit alles und jeden, nun, digitalisieren, auf diskrete und eindeutige Seinswerte festlegen. Bereits ein Wort tue das schon, das etwas bezeichnet. Soweit der Zen-Aspekt. Kannst du aber nicht an dir halten zu sagen, wie blöd, dämlich oder idiotisch sich jemand benommen hat, sag lieber töricht, und es wird 2013 weniger beleidigend und verletzend sein.

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schmulen

Schmulen ist, wenn man schauen will, aber niemand sehen darf, dass man schaut. Wenn man die Decke, unter der das Geschenk verborgen ist, gerade so weit hebt, dass man eben noch knapp druntergucken kann.

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Flegel

Artig – ach,
so tun sie nicht mal.
Zwischen 11 und 14
ziehen sie über die Höfe,
die Gegend besichtigend,
die Leute kommentierend.
Hier und da hinspucken;
laut und zu dreckig
lachend,
Vom Ausdruck her erinnern sie an einen Trupp
halbstarker Katzen
mit Körperfunktionen, aber
ohne zu grüßen –
nur rauchen und kratzen,
die Flegel.

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huldigen

Was huldigen heißt? Betone ihre Vorzüge! Wenn du zu ihr trittst, erfasse ihre Hand und ziehe sie sanft. Bewege deinen Mund in Richtung der Hand und tue als ob einen Kuss. Gib aber keinen, denn dein Mund ist nicht wert, ihre göttliche Hand zu berühren. Überhaupt: Hebe ihren Wert in den Himmel, zeig‘ dich respektvoll und nicht teuer genug, ihren Staub wegzuwedeln. Vergleiche dich mit einem Hund ohne Hemd, und sie mit einem russischen Schwan. Erzähl ihr von deinem Träumen und singe von ihrer Hochherzigkeit. Erwarte keinen Drink und erwarte kein Schmelzen. Erwarte nur, dass sie dir glaubt: Du bist ein Hündchen und sie, sie ist Weiterlesen

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Archenhold

Was machen eigentlich … Archenhold? Nichts Gutes ist zu vermuten, wenn man die gestrige Ankündigung im Abendblatt liest:

Archenhold ist der Name. Und was für einer: Mit ihrem Debütalbum „Wir haben Mittel und Wege“ eroberten Archenhold in den frühen Neunzigern weitgehend unbemerkt vom deutschen Publikum die Herzen japanischer Rockfans im Sturm. Zehn Jahre nach Nena stand erneut eine deutschsprachige Band in den Nippon-Charts ganz oben: Der brettharte Deutschrap des Ostrostockers Kevin „Kevlar“ Wewel, unterstützt von der damals 18-jährigen Gitarristin Flo Pesslin und dem Berliner Schlagzeuger Monti Dö kam überraschend gut an bei den einheimischen Asiaten und Asiatinnen – trotz der teils umstrittenen Texte. Doch während Archenhold auf den Inseln gigantische Erfolge verbuchen konnten, wurden sie in Deutschland mit ihrem bahnbrechend modernen Progressive Crossrock, der spätere Bands wie H-Blocks oder Guano Apes maßgeblich beeinflusste, kaum wahrgenommen.
Wer die drei live sehen will: Heute Abend im Über und Unter stellen sie ihr aktuelles Album „Bleib stehen, Japaner!“ vor. (20.00 Uhr, Abendkasse 35€)

War da jemand bei dem Konzert? Say it here

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